Mein Heimatverein (II): Die Vorstopper erinnern sich

Damals hatte das VfB-Stadion noch einen richtigen Namen...
Als Mitglied eines wichtigen deutschen Fußballclubs bekommt man ja regelmäßig diese wunderbaren Vereinshefte zugeschickt. Oft gibt es langweilige Themen (sehr beliebt: Ehrentage, Todesfälle, Jugendarbeit..), häufig interessante Fakten, und manchmal auch wahre Perlen. So geschehen heute abend, als ich das Veriensheft des VfB Stuttgart im Briefkasten fand. Anlass genug um von meiner ersten Begegnung (zwar nicht mit meinem Heimatverein, dafür jedoch mit "meinem" Verein) mit dem VfB zu erzählen. Denn diese erste Begegnung ist auch das Thema der aktuellen Ausgabe...
In der Mitte des Heftes stieß ich nämlich auf einen Artikel über das legendäre UEFA-Cup Finalspiel 1988 gegen den SSC Neapel. Ich war damals zarte acht Jahre alt, also im besten Jungsalter, um Tabellen auswändig zu lernen, morgens vor der Schule bolzen zu gehen, im Trikot einzuschlafen etc...Mit dem Fußball hatte ich bereits mit sechs Jahren angefangen, direkt in der ersten Klasse. Allerdings umgab mich ein großes Problem: Ich hatte keinen Lieblingsverein. Zwar spielte ich beim FC Gütersloh (und wechselte später gegen das Ablösegeld einer Sporttasche - Wahnsinn!! - zum Lokalrivalen, dem SV Spexard), aber es gab noch keine Bundesligamannschaft, der ich regelmäßig die Daumen drückte. Mein Nachbar und damals bester Kumpel war Nürnberg-Fan, und ich bin noch heute froh, dass sich seine Überredungskünste in Grenzen hielten...
Eines abends jedenfalls kam im Fernsehen ein Freundschaftsspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB. Der VfB gewann klar mit 4:1 und hatte schlicht und ergreifend, dieser Fakt ist für ein achtjährigen wirklich wichtig, die schöneren Trikots an. Ich verspürte eine Symphatie für diesen Verein. Wenige Wochen später fand das Final-Hinspiel in Neapel statt. Ich durfte die erste Halbzeit sehen, danach musste ich ins Bett. Die Leiden des jungen Gaudino, der an diesem Abend über sich hinauswuchs und sogar das 0:1 erzielte, die zahlreichen Sprints des Jürgen Klinsmann, der umstrittene und gegen den VfB pfeifende Schiedsrichter, das Genie des Maradona und das unangenehme 2:1 für den SSC, all das bekam ich nicht so richtig mit.
Zwei Wochen später änderte sich dies. Ich durfte "lange aufbleiben" und das ganze Spiel sehen. Ich weiß nicht mehr genau wie es zu dieser Erlaubnis kam, bin mir aber sicher, dass meine Eltern schlicht keine Lust mehr auf die Diskussionen hatten - ich muss ihnen sehr auf die Nerven gegangen sein. Zum Rückspiel jedenfalls war ich voll da, hörte am Abend zuvor in den Nachrichten, dass in Stuttgart zahlreiche Tifosi eingefallen waren und auf dem Schwarzmarkt bis zu 1000 DM, eine damals unvorstellbare Summe, für ein Ticket zahlten. Ich war so aufgeregt wie man nur sein konnte, wusste genau, dass ein 3:2 dem VfB nix bringt und wartete den ganzen Tag auf den Anstoß. Dann gings los: 0:1, 1:1 (Klinsmann!), 1:2, 1:3, 2:3, 3:3. Ein Jammer, gewonnen hatte die anderen. Aber, was soll ich sagen, irgendwie hält man ja zu den Verlierern, oder? Maradona gewann verdient, das Neckarstadion applaudierte stehend, ich durfte lange aufbleiben, und der VfB hatte einen Fan mehr. So war`s.
Ein Jahr später (89/90), ich war inzwischen ein gefestigter und überzeugter VfBler, meinte es das Losglück gut mit mir: Dem FC Gütersloh wurden im DFB Pokal die Stuttgarter zugelost. Mein VfB! Im Heidewaldstadion!
Als einer der ersten holte ich mir ein Ticket am Schalter und freute mich wie Bolle auf dieses Fußballerische Highlight. Doch dann holte mich eine schwerwiegende Gewissensfrage ein: Scheiße, zu wem halte ich eigentlich? Kann ich gegen meine Heimatstadt sein? Meine Mutter nahms praktisch und malte mir auf einem T-Shirt vorne das VfB-Logo hinten das vom FCG. Ich hatte zwei Fliegen mit einer Klappe getragen und freute mich aufrichtig über das 0:0 nach 90 Minuten und über die beiden Stuttgarter Siegtore in der Verlängerung.
Nach diesem Spiel brauchte es nur noch ein letzten kleinen Schritt, um die Fanzugehörigkeit fürs Leben zu festigen. Klar, jeder weiß, wovon ich rede. Und am 24.12 lag es auch vor mir unterm Baum: Südmilch, Roter Bruststreifen, Gelbes Wappen...ein Traum. Ich trage es übrigens noch heute.
Bild: Flickr.com/eagle1effi, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.

Damals hatte das VfB-Stadion noch einen richtigen Namen...
Als Mitglied eines wichtigen deutschen Fußballclubs bekommt man ja regelmäßig diese wunderbaren Vereinshefte zugeschickt. Oft gibt es langweilige Themen (sehr beliebt: Ehrentage, Todesfälle, Jugendarbeit..), häufig interessante Fakten, und manchmal auch wahre Perlen. So geschehen heute abend, als ich das Veriensheft des VfB Stuttgart im Briefkasten fand. Anlass genug um von meiner ersten Begegnung (zwar nicht mit meinem Heimatverein, dafür jedoch mit "meinem" Verein) mit dem VfB zu erzählen. Denn diese erste Begegnung ist auch das Thema der aktuellen Ausgabe...
In der Mitte des Heftes stieß ich nämlich auf einen Artikel über das legendäre UEFA-Cup Finalspiel 1988 gegen den SSC Neapel. Ich war damals zarte acht Jahre alt, also im besten Jungsalter, um Tabellen auswändig zu lernen, morgens vor der Schule bolzen zu gehen, im Trikot einzuschlafen etc...Mit dem Fußball hatte ich bereits mit sechs Jahren angefangen, direkt in der ersten Klasse. Allerdings umgab mich ein großes Problem: Ich hatte keinen Lieblingsverein. Zwar spielte ich beim FC Gütersloh (und wechselte später gegen das Ablösegeld einer Sporttasche - Wahnsinn!! - zum Lokalrivalen, dem SV Spexard), aber es gab noch keine Bundesligamannschaft, der ich regelmäßig die Daumen drückte. Mein Nachbar und damals bester Kumpel war Nürnberg-Fan, und ich bin noch heute froh, dass sich seine Überredungskünste in Grenzen hielten...
Eines abends jedenfalls kam im Fernsehen ein Freundschaftsspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB. Der VfB gewann klar mit 4:1 und hatte schlicht und ergreifend, dieser Fakt ist für ein achtjährigen wirklich wichtig, die schöneren Trikots an. Ich verspürte eine Symphatie für diesen Verein. Wenige Wochen später fand das Final-Hinspiel in Neapel statt. Ich durfte die erste Halbzeit sehen, danach musste ich ins Bett. Die Leiden des jungen Gaudino, der an diesem Abend über sich hinauswuchs und sogar das 0:1 erzielte, die zahlreichen Sprints des Jürgen Klinsmann, der umstrittene und gegen den VfB pfeifende Schiedsrichter, das Genie des Maradona und das unangenehme 2:1 für den SSC, all das bekam ich nicht so richtig mit.
Zwei Wochen später änderte sich dies. Ich durfte "lange aufbleiben" und das ganze Spiel sehen. Ich weiß nicht mehr genau wie es zu dieser Erlaubnis kam, bin mir aber sicher, dass meine Eltern schlicht keine Lust mehr auf die Diskussionen hatten - ich muss ihnen sehr auf die Nerven gegangen sein. Zum Rückspiel jedenfalls war ich voll da, hörte am Abend zuvor in den Nachrichten, dass in Stuttgart zahlreiche Tifosi eingefallen waren und auf dem Schwarzmarkt bis zu 1000 DM, eine damals unvorstellbare Summe, für ein Ticket zahlten. Ich war so aufgeregt wie man nur sein konnte, wusste genau, dass ein 3:2 dem VfB nix bringt und wartete den ganzen Tag auf den Anstoß. Dann gings los: 0:1, 1:1 (Klinsmann!), 1:2, 1:3, 2:3, 3:3. Ein Jammer, gewonnen hatte die anderen. Aber, was soll ich sagen, irgendwie hält man ja zu den Verlierern, oder? Maradona gewann verdient, das Neckarstadion applaudierte stehend, ich durfte lange aufbleiben, und der VfB hatte einen Fan mehr. So war`s.
Ein Jahr später (89/90), ich war inzwischen ein gefestigter und überzeugter VfBler, meinte es das Losglück gut mit mir: Dem FC Gütersloh wurden im DFB Pokal die Stuttgarter zugelost. Mein VfB! Im Heidewaldstadion!
Als einer der ersten holte ich mir ein Ticket am Schalter und freute mich wie Bolle auf dieses Fußballerische Highlight. Doch dann holte mich eine schwerwiegende Gewissensfrage ein: Scheiße, zu wem halte ich eigentlich? Kann ich gegen meine Heimatstadt sein? Meine Mutter nahms praktisch und malte mir auf einem T-Shirt vorne das VfB-Logo hinten das vom FCG. Ich hatte zwei Fliegen mit einer Klappe getragen und freute mich aufrichtig über das 0:0 nach 90 Minuten und über die beiden Stuttgarter Siegtore in der Verlängerung.
Nach diesem Spiel brauchte es nur noch ein letzten kleinen Schritt, um die Fanzugehörigkeit fürs Leben zu festigen. Klar, jeder weiß, wovon ich rede. Und am 24.12 lag es auch vor mir unterm Baum: Südmilch, Roter Bruststreifen, Gelbes Wappen...ein Traum. Ich trage es übrigens noch heute.
Bild: Flickr.com/eagle1effi, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
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